Die Moschusschildkröten

Unter den Schlammschildkröten wird wohl keine Gattung so häufig in menschlicher Obhut im privaten Wohnzimmern gehalten wie die Moschusschildkröten (Sternotherus spp.). Heute sind vier Arten anerkannt:

  1. Die Gewöhnliche Moschusschildkröte, Sternotherus odoratus
  2. Die Kleine Moschusschildkröte, Sternotherus minor ssp. 
  3. Die Dach-Moschusschildkröte, Sternotherus carinatus
  4. Die Flache Moschusschildkröte, Sternotherus depressus 

Einzig die Kleine Moschusschildkröte wird in zwei Unterarten unterschieden:

  1. Die Zwerg-Moschusschildkröte, Sternotherus minor minor
  2. Die Nackenstreifen-Moschusschildkröte, Sternotherus minor peltifer 

Das Verbreitungsgebiet der vier Moschusschildkrötenarten liegt in Nordamerika, teilweise lassen sie sich auch in Kanada finden. Die genauen Daten lassen sich bei ERNST & LOVICH (2009) und SCHILDE (2001) nachlesen. Das weitaus größte Verbreitungsgebiet hat die Gewöhnliche Moschusschildkröte (Sternotherus odoratus), sie bewohnt ein Gebiet von Neuengland, Quebec, dem Süden Ontarios bis in den Süden Floridas hinein und westlich nach Wisconsin und Zentral-Texas. Die Dach-Moschusschildkröte (Sternotherus carinatus) bewohnt ein im Vergleich kleines Verbreitungsgebiet im Südosten Oklahomas, Zentral-Arkansas und Mississippi, den Chickasawhay-River entlang bis in den Golf von Mexiko hinein. Die Kleine Moschusschildkröte (Sternotherus minor ssp.) lässt sich in einem Gebiet vom Südwesten Virginias, dem Osten Tennessee, Zentral-Georgia und Zentral-Florida entlang den Osten und Westen von Mississippis bis nach Washington Paris in Louisiana finden. Die Flache Moschusschildkröte (Sternotherus depressus) hat das kleinste Verbreitungsgebiet, sie bewohnt lediglich das Gebiet um den Black-Warrior-River in Alabama.

Die häufiger gehaltenen Moschusschildkröten bewohnen dabei quasi alles, was mit Wasser befüllt ist. Bevorzugt werden dabei Seen, Flüsse und Bäche mit mäßiger Strömung und weichem Bodengrund. Auch in ihren natürlichen Habitaten begrüßen Moschusschildkröten Strukturen wie Wurzeln, große Äste, Steine und üppigen Pflanzenbewuchs (BUHLMANN, TUBERVILLE & GIBBONS 2008).

Moschusschildkröten sind kleinbleibende Wasserschildkröten, am größten wird die Dach-Moschusschildkröte (Sternotherus carinatus) mit maximal 17,6 cm, doch selbst hier bleiben die Tiere meist kleiner. Hier werden die Männchen oft etwas größer als die Weibchen. Die Gewöhnliche Moschusschildkröte (Sternotherus odoratus) wird maximal 15 cm groß, in den meisten Fällen sind sie jedoch mit 10-13 cm ausgewachsen. Kleine Moschusschildkröten (Sternotherus minor ssp.) werden maximal 14,5 cm groß, wobei die Nominatform in der Regel etwas größer wird als die Zwerg-Moschusschildkröte. Weibchen werden meist größer als die Männchen, die Unterschiede sind jedoch minimal. Die Flache Moschusschildkröte (Sternotherus depressus) wird im weiblichen Geschlecht maximal 12,5 cm, die Männchen sind mit maximal 9,9 cm ausgewachsen.

In Deutschland und Europa werden nur drei der vier Arten häufig gepflegt. Die Flache Moschusschildkröte (Sternotherus depressus) gilt in ihrem natürlichen Habitat als beinahe ausgerottet, weswegen ein Import aus den USA nach Europa unmöglich ist. Vermutlich gibt es in Europa nur eine Handvoll Halter und Züchter, sollte man jemals das Glück haben, solch ein Tier angeboten zu bekommen, wird man dafür horrende Summen zahlen müssen. Die drei übrigen Arten werden häufig gehalten und gezüchtet, wer Interesse an einer Nachzucht hat, muss meist nicht lange suchen.