Die Aufzucht

Sind die Jungtiere geschlüpft, steht ihre Aufzucht an. Oftmals gibt es hierzu Fragen, welche wir in diesem Unterkapitel beantworten werden.

Die Aufzucht kann in den ersten Monaten oftmals gemeinsam erfolgen, jedoch müssen die Jungtiere spätestens mit Eintreten der Geschlechtsreife, meist sogar noch weit früher, getrennt werden. Bei der Gemeinschaftsaufzucht müssen die Jungtiere allerdings sehr gut beobachtet werden. Bei dem geringsten Anzeichen für Streitereien und Futterneid sollten die Schlüpflinge umgehend einzeln untergebracht werden.

Für die Aufzucht junger Schlammschildkröten eignen sich Aquaterrarien mit den Maßen 40 x 25 x 25 cm. Anfänglich sollte der Wasserstand nur etwa 5 cm betragen, er steigt dann mit zunehmender Sicherheit der Jungtiere. Eingerichtet werden die Becken dann wie die der Elterntiere, nur eben kleiner. Wichtig sind viele Pflanzen und Klettermöglichkeiten. Eine Strukturierung kann mit Steinen und Wurzeln erfolgen, es ist nur enorm wichtig, dass darauf geachtet wird, dass sich die Jungtiere nicht zwischen Ästen oder Steinaufbauten einklemmen können, ansonsten besteht die Gefahr des Ertrinkens.

Da sich bereits junge Schlammschildkröten sonnen, sollte auf eine hochwertige Beleuchtung mit UV-B-Anteil nicht verzichtet werden. Als Landteil reicht für die Jungtiere bereits eine geknickte Weidenholzbrücke oder ein Stück Korkrinde aus. Jungtiere meiden oft zu warme Sonnenplätze, weswegen eine Temperatur von 35-40 Grad Celsius meist ausreicht. Oft sonnen sich junge Schlammschildkröten lediglich an Wurzeln oder im Pflanzenpolster direkt unter der Wasseroberfläche, weswegen der Lichtkegel auch diesen Bereich ausleuchten sollte.

Gefüttert werden die Schlüpflinge wie die adulten Schlammschildkröten, jedoch müssen die Portionen und Futterstücke natürlich entsprechend kleiner sein. In der Natur wachsen Wasserschildkröten in den ersten Lebensjahren relativ schnell, damit sie weniger Fressfeinde haben. In menschlicher Obhut ist es wichtig darauf zu achten, dass die Tiere nicht zu schnell wachsen. Aus diesem Grund sollten Schlüpflinge nur unwesentlich öfter gefüttert werden als ausgewachsene Tiere. Es kann vorkommen, dass Schlüpflinge anfänglich ausschließlich Lebendfutter akzeptieren, dann haben sich rote Mückenlarven bewiesen. Nach einiger Zeit werden jedoch auch Frostfutter und getrocknete Futtermittel gut angenommen.

Noch einige Worte zum Wachstum von Schlammschildkröten in der freien Natur, welche ausführlich bei ERNST & LOVICH (2009) und LELGLER & VOGT (2013) nachgelesen werden können. Diese Werte können als Anhaltspunkt für ein artgerechtes Wachstumsverhalten der eigenen Jungtiere herangezogen werden. Es empfiehlt sich, sein Jungtier regelmäßig zu messen und zu wiegen – einmal monatlich reicht hier vollkommen aus. Hieran lässt sich oftmals ablesen, ob es dem Tier gut geht oder nicht. Jungtiere haben in der Natur das Ziel, möglichst schnell möglichst groß zu werden, um weniger Fressfeinde zu haben. In menschlicher Obhut muss jedoch darauf geachtet werden, dass die Tiere nicht zu schnell wachsen, ansonsten kann es zu Organschäden und Verformungen des Panzers kommen. Als Anhaltspunkt sei hier die Wachstumsstatistik der Gewöhnlichen Moschusschildkröte (Sternotherus odoratus) in den ersten acht Lebensjahren angegeben (ERNST & LOVICH 2009). Als Hinweis: Beim Schlupf sind Moschusschildkröten durchschnittlich 21,3 mm lang, 18,2 mm breit und wiegen 2,33 Gramm. Die Tabelle beginnt mit einem einjährigen Tier.

JahrGröße
132,5 mm
252 mm
361 mm
467 mm
571 mm
674,5 mm
777,6 mm
880 mm

Es ist hinreichend bekannt, dass Tiere aus dem Süden (also den wärmeren Regionen) schneller wachsen und schneller geschlechtsreif sind als Tiere aus dem Norden (also aus den kälteren Regionen). Dies liegt unter anderem an der oftmals fehlenden Winterstarre über die Wintermonate und einem reichhaltigeren Nahrungsangebot.